Neben Johannes Remmel unterstützen auch Werner Leis (DGB) und Horst
Löwenberg (Liga der Wohlfahrtsverbände) das Vorhaben der
Integrationsräte. WP-Foto: Michael Kunz
Migranten wollen den Bürgermeister wählen
WP Siegen, 25.09.2007
Siegen. (mku) "Von Siegen aus erobern wir die Welt", lacht Johannes Remmel. Im Augenblick ist es sicher mehr Wunschdenken. Aber für den Grünen-Landtagsabgeordneten ist das Thema Wahlrecht für Migranten offensichtlich eine Herzensangelegenheit.
NRW solle eine Initiative im Bundesrat starten. "Wir hatten schon früher parteienübergreifende Vorhaben, vielleicht klappt es ja wieder", hofft Remmel.
Bis dahin gibt es die Kampagne der LAGA, der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Migrantenvertretungen. In vielen europäischen Ländern sei das kommunale Wahlrecht für Nicht-Deutsche und Nicht-EU-Bürger längst Realität, mit guten Resultaten. Warum also nicht auch in Deutschland? Es gebe eine steigende Zahl von Menschen ohne deutschen Pass, damit breiteten sich demokratiefreie Zonen in vielen Stadtvierteln aus. Die Migranten wollten nicht unbedingt auf ihre Staatsbürgerschaft und damit ihre Wurzeln verzichten, sich aber dennoch stärker in ihrer Heimatkommune engagieren. "Pflichten zur Zahlung von Steuern müssen Rechte gegenüberstehen", sagt Melike Gecer. Die immer wieder geforderte Integration werde ohne politische Rechte für alle nicht funktionieren, umgekehrt dadurch aber um vieles erleichtert.
Nach einer Auftaktpressekonferenz am 18. September in Düsseldorf unterstützten in dieser Woche mehr als ein Dutzend Integrationsräte in NRW die Aktion. Ab sofort werden Unterschriften gesammelt, unter anderem über www.wahlrecht-fuer-migranten.de. Auch einige Stadträte haben schon ihre Zustimmung erklärt. Wie sieht es in Siegen aus? Manchmal sei es besser, solche Vorschläge in gewisse Gremien nicht einzubringen, waren sich die Anwesenden einig.